„Kunstförderung ist mehr als die Verteilung von öffentlichen Mitteln, mehr als die Subventionierung von Kunst und Kultur. Kunstpolitik weist zahlreiche Überschneidungen mit anderen politischen Handlungsfeldern auf. Wo es um die sozialen Belange der Kunstschaffenden geht, steht sie in Verbindung mit der Sozial- und Steuerpolitik, wo es um kommerzielle Kulturproduzenten geht, ist sie offen zur Wirtschaftspolitik, wo es um den großen Bereich der neuen Kommunikationstechnologien geht, Teil der Medienpolitik.“

„Ziel einer zukunftsorientierten Kunstpolitik muss es sein, die Autonomie der Künstlerinnen und Künstler zu stärken, eine Öffentlichkeit für zeitgenössische Kunst zu schaffen und einen funktionierenden Kunstmarkt  und Markt für kulturelle Güter sicherzustellen.“

„Die Bedeutung für Kunst und Kultur für die europäische Integration ist unbestritten. Enge und stabile kulturelle Verbindungen zu unseren Nachbarländern im Osten sowie zum gesamten mitteleuropäischen Raum müssen uns ein Anliegen sein. Das Projekt Europa ist weiter als ein gemeinsamer Markt, weiter auch als ein bloß politischer Zusammenschluss einzelner Nationalstaaten. Es gibt einen „Kulturraum Europa“ und dort finden wir seit der Spätantike die Idee eines gemeinsamen Europas, die in wechselnder Gestalt das Bedürfnis nach einer europäischen Einheit stimuliert.“

„Die Kultur war der Politik immer um einiges voraus. Denn wenn wir vom Europa der Kunst und Kultur sprechen, so schließen wir selbstverständlich unsere süd- und osteuropäischen  Nachbarn mit ein: Dostojewskij, Kafka, Bartók, Smetana, Dvořák oder Janáček sind für uns ebenso Europäer wie Shakespeare, Voltaire oder Dante. Wenn dieses Bewusstsein auch in der Politik Platz greift, dann haben wir tatsächlich eine Chance, dem europäischen Einigungsprozess eine Seele einzuhauchen und ihm jenen tieferen Sinn zu geben, den Jacques Delors so schmerzlich vermisst hat.“

„Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes zeichnet sich in zunehmendem Maße durch Investition in die Kreativwirtschaft aus. Kreativität ist zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden.“

„Kultur und Wettbewerb, aber auch Kultur und Wirtschaft funktionieren zwar nach unterschiedlichen Spielregeln, aber deswegen stehen sie noch lange nicht im Gegensatz zueinander. Wenn wir Europäer uns das Zeil gesetzt haben, die Europäische Union zu einem besonders wettbewerbsfähigen und dynamischen, auf Wissen basierenden Raum zu machen, dann wird dabei die sogenannte Content- und Kreativwirtschaft, also Film, Fernsehen, Musik, Online-Inhalte, Printmedien und Bücher, eine ganz entscheidende Rolle spielen.“

„Die Content- und Kreativwirtschaft ist ein entscheidender Faktor für das kulturelle Selbstverständnis moderner Gesellschaften, da dieser Sektor Vielfalt, Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit produziert. Gerade durch die dramatischen ökonomischen  - Stichwort: Globalisierung  - und technologischen  - Stichwort: Digitalisierung - ,Veränderungen von der Arbeitswelt bis zur Freizeitwelt sind wir hier gefordert.“

„Das Internet, sowohl als Zeichen als auch als reale Manifestation für diese Veränderungen ist aus Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr weg zu denken. Die damit verbundene Ausweitung von Möglichkeiten auf Produktions-, Distributions- und Rezeptionsseite revolutioniert die Content- und Kreativwirtschaft.“

„Die Informationsgesellschaft und ihre Plattformen brauchen vor allem Inhalte. Ob es sich um Kino, TV, Zeitung, Onlinemedium, Mobiltelefon usw. handelt: Die Konsumentinnen und Konsumenten werden sich dann für das Angebot entscheiden, wenn sie Inhalte bekommen, die ihren Interessen und Bedürfnissen entsprechen.“

„Die Frage lautet, wie kann Europa die Chancen der Globalisierung am besten nützen. Europas Infrastruktur in den Bereichen Breitband oder Mobilfunknetze ist auch global gesehen hervorragend. Die globale Auseinandersetzung wird über die Inhalte und Bilder auf Basis dieser Infrastruktur zu führen sein. Wir müssen daher die Einzigartigkeit Europas, seine Kultur und nationalen Identitäten und Geschichten erzählen und darstellen. Freilich, Europas Stärke darf nicht zugleich seine Schwäche sein: Vielfalt darf nicht zur Zersplitterung, sondern muss zur Stärkung der europäischen Kultur und Kreativität führen. Es gibt eine gemeinsame europäische Umwelt-, und Finanzpolitik, aber wir haben keine gemeinsame Contentpolitik.“

„Digitalisierung und Globalisierung sind bestimmende Faktoren für das Europäische Wachstum. Wir brauchen mehr Selbstbewusstsein und ein Erkennen der eigenen Stärken. Der gemeinsame europäische Markt ist keine Bedrohung für Europas kulturelle Vielfalt, sondern genau das Gegenteil. Er gibt auch kleinen Mitgliedstaaten die Möglichkeit, ihre hochwertigen kulturellen Inhalte europaweit zu verbreiten und zu vermarkten. Sprachenvielfalt ist eine der noch unterschätzten Standortvorteile der europäischen Kulturindustrien. Der finnische Technologieexperte Pekka Himanen hat einmal gesagt: ‚Kreativität hat eine Adresse’. Diese Adressen befinden sich an den Schnittstellen von Kultur und Ökonomie. Er hat das Beispiel von Sand Hill Road-Menlo Park Stanford genannt. Wir brauchen auch in Europa solche Adressen der Kreativität.“

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